Stamm-Wirtschaft
Verstehen, wie der Stamm wirtschaftlich getragen wird – und mitentscheiden, wohin der Stamm-Topf fliesst.
Was ist das?
Stamm-Wirtschaft ist keine Buchhaltungsübung. Sie ist die Frage: Wer trägt diesen Ort – und wie?
Das Basecamp hat einen ehrlichen Platzpreis – so hoch, wie der Aufwand wirklich ist, offen ausgewiesen, nichts versteckt. Es ist ein einziger Beitrag:
- Ein Beitrag (Richtbeitrag CHF 850/Monat, gleich in jedem Jahr): Den trägt die Familie – mit der Zeit auch aus der eigenen Beute der Lernunternehmen. Er setzt sich zusammen aus dem Coworking-Anteil (CHF 260), dem Stamm-Topf (CHF 100) und dem YOLU-Anteil für Backoffice und Anfangsbegleitung (CHF 490). Jede Familie wählt vertraulich und ohne Nachweis einen von drei Beträgen: CHF 650, 850 oder 1050 – alle ermöglichen denselben Platz. Mit der Ausbildungszulage (ca. CHF 300) sinkt jeder Betrag netto um rund 300 – beim Richtbeitrag auf ca. CHF 550 pro Monat.
- Solidaritätsfonds: Wählt eine Familie den tieferen Betrag, trägt der Fonds die Differenz – und im Härtefall auch mehr. Gespiesen wird er von Familien, die mehr tragen, von Spenden aus dem Dorf (Firmen, Pensionierte, Stiftungen) und ab Jahr 3 vom weiterwandernden Teil der Beiträge.
Der Coworking-Anteil kann je nach Alter, Standort und Mitarbeit variieren (Stand Pilot 2026).
Wo liegt der Stamm-Topf? Zwei Wege, beide gleich gut, der Stamm wählt. Entweder führt YOLU den Topf getrennt in seiner Buchhaltung: Der Stamm entscheidet, YOLU zahlt aus, ein kurzes Stamm-Topf-Reglement regelt das. Vor gemeinsamen Verträgen und Käufen wird geklärt, wer unterschreibt, wer haftet und wem es gehört. Oder der Stamm gründet einen eigenen Verein mit eigenem Konto. Beide Wege dürfen bleiben. Wechseln geht.
In beiden Fällen entscheidet der Stamm im Konsent über sein Geld, hält die Beschlüsse im Protokoll fest und sieht Saldo und Buchungen. Kundenrechnungen stellen die Lernunternehmen, nicht der Stamm.
Warum gibt es das?
Das Basecamp wird von den Jugendlichen getragen – nicht nur im Alltag, sondern auch wirtschaftlich. Wer nur Empfänger:in ist, trägt nicht. Wer mitentscheidet, was mit dem Stamm-Topf passiert, trägt.
Der ehrliche Preis ist eine Haltung: Kein Kleingedrucktes, keine versteckten Zuschüsse. Familie und Dorf wissen, was ein Platz kostet und was sie dafür tragen. Das schafft Klarheit auf beiden Seiten.
Der Stamm-Topf – gespeist aus jeder Beute, nach dem eigenen Stammschlüssel – gibt dem Stamm echte Handlungsfähigkeit: Feiern, Anschaffungen, Ausgleich bei Pechsträhnen, Investitionen in neue Projekte, Gaben an den Solidaritätsfonds für die nächste Generation. Wer über echtes Geld im Konsent entscheidet, lernt mehr über Gemeinschaft als in jedem Kurs über Gemeinschaft.
Wie geht es konkret?
- Lerne den Platzpreis kennen. Er liegt offen: der eine Beitrag, Position für Position – und die drei wählbaren Beträge. Wenn etwas unklar ist, frag im Stamm-Meeting oder bei YOLU nach.
- Verstehe das 3-Töpfe-Prinzip. Ein Fünftel jeder Beute aus Lernunternehmen geht fest in den Ökosystem-Topf (an YOLU). Vier Fünftel bleiben in den Händen der Jugendlichen: Wie sie zwischen persönlichem Topf und Stamm-Topf fliessen, legt der Stamm mit seinem Stammschlüssel im Konsent fest – und kein Topf wird übersprungen.
- Verfolge den Stamm-Topf. Wie viel ist drin? Wofür wurde er bisher eingesetzt? Saldo und Buchungen sind für alle einsehbar; wer die Rolle dafür trägt, legt im Stamm-Meeting Rechenschaft ab.
- Bringe einen Vorschlag ein. Jede:r Colearner:in hat das Recht, jederzeit einen Vorschlag einzubringen. Budget-Entscheide laufen im soziokratischen Konsent: Vorschlag präsentieren – Klärungsfragen – Reaktionsrunden – Einwandrunde. Kein schwerwiegender Einwand? Angenommen.
- Nimm das Tragen ernst. Ob der Topf bei YOLU liegt oder im eigenen Verein: Du bist nicht nur Nutzniesser:in, sondern Mitverantwortliche:r. Beschlüsse im Protokoll, ein Blick auf den Saldo, die Jahresrechnung verstehen – das gehört dazu. Gründet der Stamm einen Verein, kommen Vereinsversammlung und Vorstandswahl dazu.
Für Einführende
Wer führt ein?
Stamm und YOLU. Budget-Entscheide laufen im Circle oder im Stamm-Meeting.
Worauf achten?
- Der Platzpreis wirkt auf manche zunächst hoch. Zeige beide Seiten: die offene Aufschlüsselung und den Solidaritätsfonds hinter den drei Beträgen. Die Transparenz ist das Vertrauen – kein Argument dagegen.
- Stamm-Topf-Entscheide sind echte Entscheide – mit echten Meinungsverschiedenheiten. Lass das zu. Ein durchmoderierter Einheitskonsens lehrt nichts.
- Budget-Entscheide brauchen den soziokratischen Konsent-Prozess, nicht eine Abstimmung. Der Unterschied: Einwände werden gehört und integriert, nicht überstimmt.
- Rechtliche Detailfragen zur jugendlichen Vorstandstätigkeit (Statutenbestimmungen, Aufsichtspflichten bei Minderjährigen) sind Stand Pilot 2026 noch in Klärung. Für konkrete Fragen YOLU beiziehen.
- Das Tragen ist kein Anhang, sondern Kern: Wer den Saldo kennt, die Beschlüsse mitträgt und die Jahresrechnung versteht, führt – ob am Unterkonto oder im Verein.
Material
- Aktuelle Platzpreis-Übersicht (Richtbeitrag, die drei Beträge und Solidaritätsfonds, Stand Pilot 2026)
- Stamm-Topf: Saldo, Buchungen und bisherige Verwendungen (jederzeit einsehbar)
- Einstiegsübersicht 3-Töpfe-Prinzip
- Stamm-Topf-Reglement oder Vereinsstatuten, dazu die Jahresrechnung
- YOLU als Ansprechstelle für wirtschaftliche und rechtliche Fragen (rechtliche Form, Vereinsgründung, Vertragsgestaltung, Jugendschutz)