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Drei Töpfe

Die erste eigene Beute verbuchen: Ein Fünftel trägt das Ökosystem mit – den Rest teilt ihr nach eurem eigenen Stammschlüssel.

Was ist das?

Drei Töpfe ist die Quest, in der du zum ersten Mal echte Einnahmen aus einem Lernunternehmen verbuchst. Das Werkzeug dafür heisst 3-Töpfe-Prinzip und funktioniert so:

  • Persönlicher Topf: für dich und die anderen, die den Auftrag an Land gezogen und ausgeführt haben – euer Lohn für die Jagd. Ob ihr das Geld auszahlt, in Werkzeuge investiert oder spart, entscheidet ihr selbst.
  • Stamm-Topf: bleibt bei der Gemeinschaft. Wofür es verwendet wird, entscheidet ihr im Konsent – Feiern, Anschaffungen, Ausgleich bei Pechsträhnen, Investitionen in Lernunternehmen, Gaben an den Solidaritätsfonds.
  • Ökosystem-Topf: fliesst an YOLU und nährt das grössere Ökosystem: Ressourcen, Weiterentwicklung, neue Standorte, Mentor:innen, erweiterte Community.

Ein Anteil ist fest, der Rest ist frei. Ein Fünftel jeder Beute geht in den Ökosystem-Topf. Vier Fünftel bleiben in euren Händen. Wie sie zwischen persönlichem Topf und Stamm-Topf fliessen, handelt ihr selbst aus – mit eurem Stammschlüssel.

Was zählt als Beute? Die Einnahme ohne Mehrwertsteuer, minus die belegten Auslagen nur für diesen Auftrag: Material, Fremdleistungen, Fahrten. Vor dem Auftrag schätzt ihr die Auslagen, verteilt wird nach Belegen. Eure Arbeitszeit ist keine Auslage – sie wird mit der Beute bezahlt.

CHF
Einnahme ohne MWST 1'000
Belegte Auslagen – 200
Beute 800
Fünftel ins Ökosystem 160
Nach Stammschlüssel zu teilen 640

Der persönliche Anteil ist kein Nettolohn: Daraus zahlt ihr eigene Geschäftskosten, Sozialabgaben und Steuern. Bringt ein Auftrag nichts ein, gibt es keine Beute – dann gilt eure Verlust-Regel. Kommt später Geld dazu, wird es beim nächsten Lagerfeuer nachverbucht.

Der Stammschlüssel ist ein Grundsatzentscheid des Stamms im Konsent, mit Überprüfungsdatum. Er steht im Protokoll des Stamm-Meetings. Mehr braucht es nicht. Er beantwortet zwei Fragen: Wie teilen wir die Beute? Was übernimmt der Stamm-Topf bei Pech – geplatzter Auftrag, umsonst gekauftes Material, unbezahlte Rechnung – und bis zu welcher Höhe? Für einen Auftrag gilt der Schlüssel, der bei seiner Annahme galt. Ausnahmen beschliesst ihr vorher im Konsent – etwa, dass bei kleinen Erstaufträgen die vier Fünftel bis auf einen Franken bei den Jäger:innen bleiben. Der Fünftel bleibt fest. Einen richtigen Schlüssel gibt es nicht. Es gibt nur den, den ihr verantworten könnt.

Warum gibt es das?

Erfolg entsteht nicht im luftleeren Raum. Er baut auf Infrastruktur, Community, ehrenamtlichen Mentorings, Fürsprecher:innen und der Arbeit von Pionier:innen auf. Das 3-Töpfe-Prinzip macht diesen Zusammenhang sichtbar – nicht als Belehrung, sondern als gelebte Praxis.

Wer die eigene Beute so verbucht, wird dadurch nicht zur Hilfsempfänger:in. Im Gegenteil: Durch den Beitrag an Stamm und Ökosystem wird man zur Mitträger:in des eigenen Ökosystems. Das ist ein grundlegend anderes Selbstverständnis als «Ich zahle eine Kursgebühr und erhalte dafür eine Leistung».

Und warum ist der Rest frei? Weil Verteilungsfragen nichts sind, was man delegiert. Ein Schlüssel, den euch jemand vorgibt, lehrt Gehorsam oder Widerstand. Ein Schlüssel, den ihr selbst aushandelt, verteidigt und revidiert, lehrt Ökonomie als etwas, das man miteinander vereinbart.

Und die Beute selbst? Sie ist euch anvertraut, nicht einfach Besitz. Vieles daran ist geschenkt: der erste Kunde, der Tipp zur richtigen Zeit, das Vertrauen des Stamms. Verbuchen heisst darum nicht abgeben – sondern weitergeben, was durch eure Hände fliesst.

Und damit das Geldthema den Fokus nicht dauernd monopolisiert, gibt es das Ritual: Schleier lüften, verbuchen, Schleier schliessen. Danach zurück zum Lernen und zum nächsten Projekt.

Wie geht es konkret?

Das Ritual läuft in vier Schritten ab:

  1. Beute benennen. Die Arbeit ist getan und die Rechnung ist bezahlt. Jetzt kommt der Moment.
  2. Den Schleier lüften. Die Einnahmen werden offen auf den Tisch gelegt: «Wir haben X Franken eingenommen.»
  3. Selbst verbuchen und überweisen. Der feste Fünftel ins Ökosystem, der Rest nach eurem Stammschlüssel. YOLU und Circle Projects begleiten die erste Verbuchung. Dann überweist ihr. Liegt euer Stamm-Topf bei YOLU: eine Überweisung an YOLU, Fünftel und Stamm-Anteil zusammen, mit der Abrechnung. Hat euer Stamm ein eigenes Vereinskonto: Stamm-Anteil dorthin, Fünftel an YOLU. Die persönlichen Anteile zahlt euer Lernunternehmen an die Beteiligten aus.
  4. Den Schleier schliessen. Abgehakt. Fokus zurück auf Lernen und das nächste Projekt.

Der Fünftel ist fest, der Schlüssel ist eurer. Und kein Topf wird übersprungen: Jede Beute lässt in jedem Topf etwas zurück – und sei es ein einziger Franken.

Die Rechnung stellt immer das Lernunternehmen, nie der Stamm. Die Kundschaft bezahlt euch, danach teilt ihr die Beute. Bei Teamaufträgen klärt ihr vor der Offerte: Wer schliesst den Vertrag? Wer trägt welche Verantwortung? Wie rechnet ihr untereinander ab? Kurz aufschreiben genügt.

Danach hast du einmal selbst verbucht. Die drei Töpfe sind kein abstraktes Konzept mehr – sie haben Zahlen.
Für Einführende

Wer führt ein?

YOLU und Circle Projects. YOLU begleitet die erste Verbuchung direkt.

Worauf achten?

  • Die Schlüssel-Aushandlung gehört ins Stamm-Meeting, nicht ans Lagerfeuer. Sonst wird das Schleierlüften zum Basar, und die Lautesten gewinnen. Führt die Verteilung zu Konflikten, fehlt der Stammschlüssel-Entscheid – das ist der Hinweis, kein Grund, das Ritual zu überspringen.
  • Der feste Fünftel wird nicht verhandelt, aber erklärt: Das Ökosystem ist die Partei, die nicht am Tisch sitzt. Wer das einmal verstanden hat, braucht keine Überzeugungsarbeit mehr.
  • Wer aus Bescheidenheit oder Unsicherheit den persönlichen Anteil kleinreden möchte («Ich brauche das nicht»): Das ist kein Zeichen von Grosszügigkeit, sondern ein Zeichen, dass der Wert der eigenen Arbeit noch nicht verankert ist. Den persönlichen Topf ernst nehmen ist Teil des Lernens.
  • Der Stammschlüssel hat zwei Seiten: Beute teilen und Pech tragen. Steht im Protokoll, was der Stamm-Topf bei einem geplatzten Auftrag übernimmt, und bis wohin? Sonst trägt eine Person das ganze Risiko.
  • Ein kleiner oder leerer Stamm-Topf ist erlaubt. Die Erfahrung, was er bei der nächsten Pechsträhne wert gewesen wäre, ist der Lehrplan – nicht das Scheitern des Modells. Nicht retten, begleiten.

Material

  • Verbuchungsvorlage: fester Fünftel vorbefüllt, Stammschlüssel-Feld offen (Stand Pilot 2026: in Klärung, ob digitales Formular oder analoges Blatt)
  • Stammschlüssel-Protokoll: der Beschluss aus dem Stamm-Meeting mit Überprüfungsdatum – wie ihr Beute teilt und wie ihr Verluste tragt (Vorlage: Stand Pilot 2026 in Klärung)
  • Einblick in den Stamm-Topf: Saldo und alle Buchungen, für alle im Stamm jederzeit einsehbar (Circle Projects organisiert)
  • Der Geldweg: Die Kundschaft bezahlt das Lernunternehmen. Nach dem Lagerfeuer: Fünftel und Stamm-Anteil an YOLU (eine Überweisung, YOLU trennt) – oder bei eigenem Vereinskonto den Stamm-Anteil dorthin und den Fünftel an YOLU
  • Team-Vereinbarung für gemeinsame Aufträge: Vertrag, Verantwortung, Abrechnung (Vorlage: Stand Pilot 2026 in Klärung)

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