Erste Rechnung
Zum ersten Mal echtes Geld verdienen: ein:e echte:r Kund:in, ein echter Auftrag, eine echte Rechnung – klein anfangen, aber echt.
Was ist das?
Die Erste Rechnung ist der Moment, in dem das Lernunternehmen real wird. Kein Planspiel, keine Simulation – ein:e echte:r Kund:in bezahlt echtes Geld für echte Arbeit.
Welche Arbeit das ist, entscheidest du selbst: Webseite bauen, Fotos machen, etwas reparieren, einen Workshop geben, Texte schreiben, ein Event organisieren – oder etwas, das es noch keinen Namen für gibt. Was zählt: Die Leistung ist echt, der Auftrag ist echt, und du nimmst ihn an.
Zur Ersten Rechnung gehören drei Schritte:
- Ein Angebot machen: Was bietest du an – und was kostet es?
- Den Auftrag ausführen: Die Arbeit tun, wie vereinbart.
- Die Rechnung stellen: Schriftlich, mit Betrag, Kontonummer und Datum.
Klein anfangen ist kein Mangel. Es ist das Richtige.
Warum gibt es das?
Das Basecamp ist eine unternehmerische Ausbildungszeit. Das heisst: Wer hier lernt, schafft auch echten Wert. Nicht irgendwann – jetzt, in der Probezeit, mit dem ersten kleinen Auftrag.
Der erste eigene Preis ist einer der lehrreichsten Momente dieser ganzen Zeit. Man merkt, was die eigene Arbeit wert ist – nicht als abstrakte Zahl, sondern als Reaktion eines echten Menschen. Wer «ja, ich zahle das» sagt, sagt auch: Du hast mir etwas gegeben, das mir etwas bedeutet.
In der Schweiz ist das rechtlich unkompliziert: Ein Einzelunternehmen entsteht formlos mit der Aufnahme der Geschäftstätigkeit. Wer urteilsfähig ist und die Zustimmung der Eltern hat, kann in eigenem Namen Rechnungen stellen – ohne Gründungsakt, ohne Handelsregister (Eintragspflicht erst ab CHF 100'000 Jahresumsatz). Was von Anfang an zählt: Einnahmen und Ausgaben sauber dokumentieren – fürs Portfolio sowieso, und als Grundlage für alles, was folgt.
Wie geht es konkret?
- Idee und Angebot. Was kannst du anbieten? Was würde jemand wirklich bezahlen? Dein:e Mentor:in und die Kompliz:innen im Netzwerk helfen dir, die Idee zu schärfen und einen ersten Preis zu finden. Zu tief ist genauso lehrreich wie zu hoch – beides gibt dir Daten.
- Kund:in finden. Die erste Kund:in lebt oft näher, als du denkst: im Effinger, im Netzwerk deiner Mentor:in, in deiner Nachbarschaft. Die Kompliz:innen öffnen dir Türen.
- Auftrag klären. Was genau lieferst du? Bis wann? In welcher Form? Kurz aufschreiben genügt – das schützt beide Seiten und übt die Klarheit, die später bei grösseren Projekten zählt.
- Arbeit tun. Das ist dein Teil. Du entscheidest, wie du vorgehst.
- Rechnung stellen. Dein Name, die Leistung, der Betrag, deine Bankverbindung, das Datum. Fertig. Keine Mehrwertsteuer, kein Handelsregister – du bist unter den Schwellenwerten.
- Einnahmen dokumentieren. Betrag, Datum, Kund:in – eine Zeile in deiner Tabelle oder deinem Notiz-Tool. Das ist deine Buchhaltung, und sie gehört ins Portfolio.
Für Einführende
Wer führt ein?
Mentor:in und Kompliz:innen (Konzept 5.5). YOLU und Kompliz:innen aus dem Netzwerk (Jurist:innen, Treuhänder:innen, Gründer:innen) sind verfügbar, wenn weitergehende Unterstützung gefragt ist.
Worauf achten?
- Die erste Hürde ist oft der Preis: Jugendliche setzen ihn zu tief an, weil sie sich den Wert ihrer Arbeit nicht trauen. Das ist normal – es ist das erste Mal. Begleite den Moment, aber entscheide nicht für sie.
- Der Perfektionismus-Reflex: «Erst wenn ich wirklich gut bin.» Das Gegenteil ist richtig: Gut werden, indem man anfängt. Die Kund:in bekommt echte Leistung, der Auftrag ist klein genug, dass ein Scheitern lernbar ist.
- Rechtliches nicht übermässig komplizieren: Unter CHF 100'000 Jahresumsatz und ohne AHV-Beitragspflicht (unter 18) ist die Lage einfach. Wenn das Lernunternehmen wächst oder mehrere Personen mitwirken, begleitet YOLU die Klärung (Konzept 8.5). Jetzt reicht: Rechnung raus, Einnahmen notieren.
- Die Zustimmung der Eltern für die Geschäftstätigkeit klären – das gehört ins Gespräch, nicht ins Kleingedruckte.
Material
- Einfache Rechnungsvorlage (TODO: Vorlage von YOLU bereitstellen — Stand Pilot 2026)
- Hinweis auf das 3-Töpfe-Prinzip: Die Beute aus diesem Auftrag wird nach 50/25/25 aufgeteilt – das ist Thema der nächsten Quest «Drei Töpfe»
- Kontakte zu Kompliz:innen im Netzwerk, die als erste Kund:innen oder als Türöffner:innen wirken können